Vorbehaltlich der Zustimmung des Hessischen Landtags gilt der Vertrag. Der Vertrag selber wurde auch der Stadtverordnetenversammlung Frankfurts nicht bekannt gemacht. Im Vorfeld der Verhandlungen zum Verkauf einigten sich die Vertragspartner, Stadt Frankfurt, ABG Holding Frankfurt und die Hessische Landesregierung auf einen "Letter of Intent", der die Absichten des vertragschließenden Parteien umreißt. Unter anderem werden in diesem Vorvertrag erneut die denkmalgeschützten Gebäude aus den 50iger und 60iger Jahren zur Disposition gestellt.
Wir begrüßen es, dass die Stadt Frankfurt (mittels ABG) jetzt Eigentümerin des Geländes ist. Das kann auch eine Chance sein, sich unmittelbar mit dem Magistrat und den frisch gewählten Stadtverordneten auseinanderzusetzen und Interssen der Bürger einbringen.
Geschenkt wird den Bockenheimern ganz sicher nichts.
Die einzig feste Größe jedoch ist bisher, das die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf dem Campus ziehen soll , was wir sehr begrüßen. Die Bürger Bockenheims sollen mitreden bei dem Gesamtkonzept. Schon einmal wurde in Bockenheim für eine Kulturdenkmal gekämpft. Das Depot an der Bockenheimer Warte steht noch - dank des Einsatzes der Bürger - aber ist es eine Kultureinrichtung, die der Mehrheit der Bürger offen steht? Die Eintrittspreise sind hoch und die Halle für Veranstaltungen von Schulen oder Bürgerinitiativen zu mieten ist unerschwinglich.
Wenn jetzt ein neuer Kulturcampus entsteht, möchten wir dabei auch Gebäude und Einrichtungen wissen, die die Bürger Bockenheims nutzen können. Im Konkreten bedeutet das, das wir das Studentenhaus / KoZ als "Offenes Haus der Kulturen" weiterführen möchten.
Immer mehr Menschen wollen in Frankfurt wohnen. Der Mietdruck auf den Stadtteil Bockenheim wächst. Wer jetzt seine Wohnung verlässt oder in Bockenheim eine Wohnung sucht findet in der Preislage unter 11,50 Euro kaum etwas. Die Erfahrung anderer Stadtteile zeigt, das die "Aufwertung" von Wohnquartieren, wie dies auch durch die Entwicklung des Campus Bockenheim zu einem Kulturzentrum der Fall sein wird, weiter steigende Mieten bedeutet.
Die gewachsene soziale, ethnische und Generationen-Mischung in Bockenheim wird allgemein als ausgewogen und harmonisch wahrgenommen und macht seit Jahrzehnten diesen Stadtteil zu einem der beliebtesten Wohnquartiere. Diese Struktur soll erhalten bleiben. Gentrifizierung, also die Inbesitznahme des Quartiers überwiegend durch Menschen mit höherem Einkommen, bedeutet eine Entmischung dieser gewachsenen Struktur und grenzt immer mehr Menschen unterschiedlichen Einkommens und Herkunft aus. Die aktuell durch die ABG Holding geplanten 220 Wohnungen am Parkplatz am Depot werden einen Eigentumswohnungsanteil von 30 Prozent haben, obgleich in den letzten Jahren Bockenheim überwiegend Eigentumswohnungen entstanden sind. Eine zentrale Forderung in Zusammenhang mit der Umnutzung des Campus ist der Bau von Mietwohnungen für mittlere und untere Einkommensgruppen. Gleichzeitig sind wir für die Förderung von Bau von Mietwohnungen durch Genossenschaften auf dem Campus Bockenheim, sowie die Förderung von gemeinschaftlichem Wohnen.
Presseerklärung zur Vorbereitung des Verkaufs August 2011
Letter of Intent (Absichtserklärung der Vertragspartner Land Hessen, Stadt Frankfurt, ABG Holding vor dem Verkauf)
Alternativen zum Campus Bockenheim werden vorgestellt. Broschüre Bockenheim 2015